Idiopathische intrakranielle Hypertension

Schwindel, Sehstörungen und starke Kopfschmerzen, für die keine Ursache gefunden wird, können Patienten große Sorgen bereiten. Auch eine idiopathische intrakranielle Hypertension, bei der der Hirndruck aus ungeklärter Ursache stark ansteigt, ist häufig nur schwer zu diagnostizieren. Die Erkrankung ist nicht nur sehr selten, sondern sie wird auch von Symptomen begleitet, die denen eines Hirntumors ähneln. Die idiopathische intrakranielle Hypertension wird daher auch als Pseudotumor cerebri (PTC) bezeichnet. Eine weiterer Name ist unter anderem Benigne Intrakranielle Hypertension (BIH).

Was ist eine idiopathische intrakranielle Hypertension?

Idiopathische intrakranielle Hypertension

Idiopathische intrakranielle Hypertension – Fotolia © Sebastian Kaulitzki

Eine idiopathische intrakranielle Hypertension bezeichnet eine chronische Druckerhöhung innerhalb des Schädels, die ohne erkennbare Ursache auftritt. Diese Erhöhung des Hirndrucks resultiert aus einem Ungleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss des Hirnwassers, dem sogenannten Liquor. Kann die Flüssigkeit nicht ausreichend abgeleitet werden, steigt der Druck innerhalb des Schädels immer weiter an. Dieser Druckanstieg kann nicht nur zu starken Kopfschmerzen, sondern unbehandelt im schlimmsten Fall auch zum Verlust des Augenlichts führen.

Welche Ursachen hat eine idiopathische intrakranielle Hypertension?

Von der idiopathischen intrakraniellen Hypertension sind in erster Linie Frauen zwischen 20 und 50 betroffen. Wichtigster Risikofaktor scheint Übergewicht zu sein. Doch auch bestimmte Medikamente oder das Vorliegen einer Lungenkrankheit können das Auftreten einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension begünstigen. Die genaue Ursache der Erkrankung ist jedoch bislang ungeklärt, woraus sich auch die Bezeichnung “idiopathisch” ableitet. Möglicherweise tragen auch hormonelle Verhütungsmittel oder ein Überschuss an Vitamin A zum Entstehen des Krankheitsbildes bei.


Welche Symptome treten bei einer idiopathische intrakranielle Hypertension auf?

Die Symptome einer idiopathischen intrakranielle Hypertension reichen von anhaltendem Druckgefühl im Kopf und Verspannungen im Nacken bis hin zu heftigen Kopfschmerzen, die in der Nacht und am frühen Morgen besonders stark sind. Mit der Zeit können sich die Schmerzen dauerhaft einstellen. Hinzu kommen Sehstörungen, da auch der Druck auf den Sehnerv steigt. Diese äußern sich in unscharfem Sehen oder zeitweiliger Blindheit, Flimmern, Blitzen oder der Fehlwahrnehmung geometrischer Muster. Ein Fliesenboden kann von Patienten mit idiopathischer intrakranieller Hypertension beispielsweise als gewölbt wahrgenommen werden. Im schlimmsten Fall stirbt der geschädigte Sehnerv gänzlich ab und der Patient erblindet auf dem betroffenen Auge. Darüber hinaus leiden viele Patienten unter Schwindel und Übelkeit oder einem Tinnitus.

Wie wird eine idiopathische intrakranielle Hypertension diagnostiziert?

Die Diagnose einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension erfolgt meist mithilfe einer sogenannten Lumbalpunktion, bei der etwas Flüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal entnommen wird. Hierbei lässt sich im Falle einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension ein erhöhter Druck der Flüssigkeit messen. Jedoch ist mithilfe bildgebender Verfahren, wie der Computertomografie (CT) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT), keine Ursache für den Druckanstieg zu erkennen. Eine Spiegelung des Augenhintergrunds lässt dafür Veränderungen des Sehnervs (Pappillenödem, auch Stauungspapille) erkennen, die auf das Krankheitsstadium schließen lassen.

Wie wird eine idiopathische intrakranielle Hypertension behandelt?

Eine idiopathische intrakranielle Hypertension wird häufig mit Medikamenten behandelt, die harntreibend wirken und den Körper entwässern. In vielen Fällen bessert sich der Zustand der Patienten außerdem nach einer deutlichen Gewichtsreduktion. Jegliche Medikamente, die den Hirndruck steigern können (u. a. bestimmte Antibiotika), müssen hingegen vermieden werden.

Bei starken Beschwerden hilft das Ablassen von Liquor durch eine Lumbalpunktion, die den Hirndruck sofort deutlich senkt. Wie häufig dies nötig ist, hängt vom Zustand des Patienten ab. In schweren Fällen kann dem Patienten ein sogenannter Cerebralshunt, ein dünner Plastikschlauch, der innerhalb des Körpers verläuft, implantiert werden. Dieser sorgt für einen konstanten Abfluss des Hirnflüssigkeit in den Bauchraum. In manchen Fällen bessert sich der Gesundheitszustand der Patienten von selbst. Meist jedoch verläuft die Erkrankung chronisch und bleibt lebenslang bestehen.

Idiopathische intrakranielle Hypertension
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12 Gedanken zu “Idiopathische intrakranielle Hypertension

  1. Guten Tag,

    könnten Sie mir evtl. einen Spezialisten in Deutschland nennen zu dem ich gehen kann wenn es den Verdacht auf IIH gibt? (Gerne auch in Norddeutschland, Hamburg)

    Mit freundlichen Grüßen,

    Lea Kiel

  2. Vielen Dank für den herausragenden Artikel! Eine Verständnisfrage hätte ich dennoch, ich zitiere zwei Stellen:

    „Auch eine idiopathische intrakranielle Hypertension, bei der der Hirndruck aus ungeklärter Ursache stark ansteigt, ist häufig nur schwer zu diagnostizieren.“

    und:

    „Bei starken Beschwerden hilft das Ablassen von Liquor durch eine Lumbalpunktion, die den Hirndruck sofort deutlich senkt.“

    Frage: Wenn die Symptome durch bloßes Punktieren instantan nachlassen, wäre somit denn die intrakranielle Hypertonie nicht bereits mit ausreichender Wahrscheinlichkeit gestellt?

    Viele Grüße,
    Job

  3. Hallo!
    Bin auch über den Passus „Auch eine idiopathische intrakranielle Hypertension, bei der der Hirndruck aus ungeklärter Ursache stark ansteigt, ist häufig nur schwer zu diagnostizieren.“ gestolpert!

    Lässt sich die Krankheit nicht rein technisch eigentlich einfach durch eine Druckmessung im Rahmen einer Lumbalpunktion diagnostizieren? Liegt die schwierige Diagnostik nicht eher daran, dass die niedergelassenen Neurologen auf diese Möglichkeit gar nicht kommen?

    Lieber Gruß und Danke für den anschaulich und leicht verständlich geschriebenen Artikel!

    Gruß, HF

  4. Hallo…
    Ich habe 2006 die Diagnose MS (Multiple Sklerose) bekommen und 2010 die Diagnose PTC bekommen.
    Ich habe über 30 MS Läsionen im Gehirn.
    Könnte es da einen Zusammenhang geben?
    Cortison hatte ich nicht zum Zeitpunkt der PTC Diagnose.
    Viele Grüße

  5. Hallo
    ich habe die Verdachtsdiagnose PTC bekommen.
    Gibt es im Raum NRW Fachärzte Kliniken an die ich mich wenden kann, da die Klinik Bochum Wartezeiten von mehreren Monaten hat.

    Mit freundlichen Grüßen

  6. Hallo,

    könnten Sie mir evtl. einen Spezialisten in Deutschland nennen zu dem ich gehen kann wenn es den Verdacht auf IIH gibt? (Gerne auch in Süddeutschland, Mannheim/Heidelberg)?

    Freundliche Grüße,
    Anna

  7. Leider ebenfalls an Ptc, können Sie mir Fachärzte in der Nähe von Fulda nennen. Mein Neurologe ist da leider keine große Hilfe.

    Vielen Dank

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